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Fondsmanager Kolrep: "2,5 Millionen News im Monat" - Die Auswertung von Nachrichten soll zu mehr Fondsrendite führen

Trends: Die Auswertung von Nachrichten soll mehr Fondsrendite bringen. Wie der Ansatz funktioniert. Von Peter Gewalt, Euro am Sonntag

Mit einem neuen Fonds will Invesco dem steigenden Interesse an Technologie-Aktien gerecht werden. Fondsmanager Martin Kolrep erklärt den Investmentansatz.

€uro am Sonntag: Herr Kolrep, Technologie-und Innovationsfonds gibt es reichlich. Wie unterscheidet sich denn der Invesco Global Thematic Innovation Equity Fund von den etablierten Produkten?
 Martin Kolrep: Uns leitet der Grundgedanke, dass Innovationen wesentliche Voraussetzungen für Wachstum sind. Investitionen in führende, innovative Unternehmen bieten daher das Potenzial für langfristig überdurchschnittliche Renditen. Wir investieren aber nicht nur in innovative Unternehmen, wir nutzen dafür auch noch einen sehr innovativen Ansatz auf der Suche nach geeigneten Trends und Unternehmen. Dazu nutzen wir "Natural Language Processing" kurz NLP.

Was heißt das konkret?
Als Teilbereich der künstlichen Intelligenz (KI) macht es NLP möglich, menschliche Sprache und Texte maschinell zu erfassen, zu verstehen und mithilfe von Algorithmen zu verarbeiten und zu interpretieren. Dabei beruht das Ergebnis bei uns auf der laufenden Analyse von Millionen von Nachrichten. NLP hilft uns, innovative Unternehmen mit Bezug zu drei Megatrends zu identifizieren: Technologie, Gesellschaft, Nachhaltigkeit. Wichtig ist NLP auch bei der Gewichtung der Themen. Wir erstellen ein relevanzbasiertes Portfolio auf Basis der Häufigkeit der Stichwörter, die wir finden, und orientieren uns also nicht an der Marktkapitalisierung.

Wie viele Nachrichten verarbeitet NLP?
Monatlich untersuchen wir rund 2,5 Millionen News von über 4.500 Anbietern. Wir haben hier einen zweistufigen Prozess, also Analysten- und Forschungsberichte sowie andere wissenschaftliche Dokumente werden für die erste Identifikation der Themen genutzt, die Nachrichten dann für die Identifikation der Unternehmen, die sich mit diesen Themen beschäftigen.

Wie viele und welche Investmenthemen haben Sie derzeit im Portfolio?
Unter den drei Megatrends Technologie, Gesellschaft und Nachhaltigkeit sind 17 verschiedene Investmentthemen aufgehängt. Am stärksten gewichtet sind aktuell "Internet der Dinge, "Konnektivität & 5G" und "Clean Energy" mit jeweils zwölf Prozent des Fonds, danach folgt das Thema "Cloud" mit zehn Prozent.

Auf welchem Weg finden Sie die zum Trend jeweils passenden Unternehmen?
Wir überprüfen die Unternehmensnachrichten mithilfe von eigens erstellten Wörterbüchern und NLP. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie oft sich die Inhalte der Wörterbücher in den Firmennachrichten wiederfinden. Je höher die Anzahl, desto wichtiger ist die Firma für das Thema bzw. das Thema für die Firma. So ergibt sich automatisch, dass Themen, die gerade stark diskutiert werden, sich auch im Fonds wiederfinden. Wichtig sind aber auch die Themen, die plötzlich neu auftauchen und durch unseren Prozess aufgegriffen werden.

Investieren Sie nicht auf diesem Weg automatisch in Modethemen bzw. Unternehmen mit hohen Bewertungen?
Nein, denn wir senken das unternehmensbezogene Risiko, indem wir sehr stark streuen. Derzeit sind wir in rund 470 Werte investiert. Keiner davon ist höher als zwei Prozent gewichtet. Das zeigt, dass wir nicht unbedingt an den Einzelwerten interessiert sind, sondern mehr an den Themen und Trends. Hinzu kommt, dass nicht alle Werte sogenannte Pure Plays sind. Wir haben auch viele Titel ausgewählt, die nur einen gewissen Teil ihrer Umsätze in den Trendsektoren erzielen.

Mit welcher Rendite dürfen Anleger bei Ihrem Fonds denn rechnen?
Aktien sind für uns aktuell eine der attraktivsten Anlageklassen. Wir gehen davon aus, dass mit Aktien eine Rendite von fünf bis sechs Prozent über eine Frist von mindestens zehn Jahren erreichbar ist. Innovative Unternehmen werden aber aus unserer Sicht besser abschneiden, jedoch nur unwesentlich riskanter sein.