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Exklusive Fondskonzepte: Schafft mehr Wissen auch mehr Vermögen?

Schafft mehr Wissen auch mehr Vermögen? Fondsanbieter wie das US-Haus Dimensional und die französische Boutique Tobam behaupten das. Zeit für eine Überprüfung. Von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Für die einen ist Investieren eine Kunst, andere erblicken darin eine Wissenschaft. Tatsächlich gibt es den akademischen Zweig der Kapitalmarktforschung, die in den vergangenen Jahrzehnten die Geldanlage auf neue Füße gestellt hat. Auf diesen Errungenschaften bauen die Konzepte vieler Finanzanbieter auf. Einige von ihnen verfügen jedoch über besonders enge Verbindungen zur Finanzwissenschaft. Zudem umweht ihre Produkte ein Hauch von Exklusivität.

Das gilt insbesondere für die US-Gesellschaft Dimensional Fund Advisors. Das Unternehmen ist seit 40 Jahren auf dem Markt und verwaltet mittlerweile ein Vermögen von umgerechnet 550 Milliarden Euro. Gegründet wurde es von David Booth und Rex Sinquefield, zwei Absolventen der School of Business der Universität in Chicago. Dort kamen die beiden in Kontakt mit den damals neuesten Ergebnissen der empirischen Finanzmarktforschung. Zu ihren Professoren zählte der spätere Nobelpreisträger Eugene Fama.

Dieser und weitere renommierte Wissenschaftler und Nobelpreisträger arbeiten seit Gründung für das Unternehmen oder stehen ihm beratend zur Seite. Neben Fama auch Fachgrößen wie Merton Miller, Myron Scholes oder Robert Merton. Auf deren akademische Arbeiten zu grundlegenden Themen wie Asset Pricing, Risiko oder Diversifikation bauten die Gründer von Dimensional ihr Anlagekonzept auf.

Grundüberzeugung ist, dass aktives Investieren, das auf Zukunftsprognosen aufbaut, langfristig keinen Mehrwert bringt. Deshalb orientiert sich der Dimensional-Ansatz ausschließlich an den aktuell verfügbaren Marktpreisen. "Die Preise werden ständig in Echtzeit aktualisiert und stellen die umfassendste Vorhersage für die Zukunft dar, die uns zur Verfügung steht", verkündet das texanische Unternehmen. Aus den Marktpreisen versucht Dimensional die langfristigen Renditetreiber herauszufiltern. Das sind im Wesentlichen die von Fama und dessen Kollegen Kenneth French erforschten Faktorprämien Unternehmensgröße, Bewertung und Profitabilität. So haben Fama und French empirisch nachgewiesen, dass die Aktien von kleinen, von unterbewerteten sowie von operativ besonders profitablen Firmen langfristig eine bessere Wertentwicklung erzielen als der Marktdurchschnitt.

Diese Renditetreiber bestimmen die strategische Vermögensaufteilung bei Dimensional. Verfeinert wird das Konzept durch Positionen, die eher kurzfristige Vorteile bringen sollen. Und schließlich ist die Gesellschaft bestrebt, durch flexibles Vorgehen die Handelskosten so niedrig wie möglich zu halten.

Von dieser Sparsamkeit profitiert auch der Anleger. Die Verwaltungsgebühren der Dimensional-Fonds liegen zwischen 0,2 und 0,7 Prozent, Ausgabeaufschläge gibt es nicht. Dafür eine wichtige Einschränkung: Privatanleger können die Fonds nicht einfach so erwerben. Dimensional-Produkte waren lange Zeit nur institutionellen Investoren wie Pensionskassen vorbehalten. Seit rund zehn Jahren sind sie auch für deutsche Anleger zugänglich - jedoch vorwiegend über Honorarberater, die von Dimensional akkreditiert sind.

Berater helfen beim Durchhalten

Dahinter steckt die Idee, dass das langfristige Anlagekonzept der Amerikaner nur dann aufgeht, wenn der Investor Durchhaltevermögen besitzt und nicht bei den ersten Börsenturbulenzen die Brocken hinwirft. "Es gilt als gesichert, dass ständiges Umschichten bei der Anlage auf Dauer weniger bringt als Dabeibleiben", sagt Sven Stopka, Geschäftsführer der Tuendum Gesellschaft für Investmentberatung im nordrhein-westfälischen Ahaus.

Stopka setzt Dimensional-Fonds bei der Depotstrukturierung seiner Kunden ein und weiß, wie wichtig es ist, dass die Anleger richtig "gebrieft" sind. "Es geht nicht um bestimmte Renditeversprechen, sondern darum, ein Portfolio zu erstellen, das zur individuellen Risikoneigung passt und das lange Bestand hat", sagt er. Dass er dafür Fonds des US-Anbieters nutzt, entspringt seiner eigenen Überzeugung und jahrelanger Erfahrung. "Von Dimensional fließen keine Provisionen an uns", sagt Stopka. Das Modell funktioniert deshalb nur mit Beratern, bei denen die Kunden ein Honorar für die Beratung zahlen.

Wiewohl wissenschaftlich so gut fundiert wie kaum ein anderes Anlagekonzept, bieten auch die Dimensional-Fonds keine Erfolgsgarantie. In den vergangenen Jahren hatten Anleger, die auf konventionelle Marktindizes setzten, meist die Nase vorn. "Die Ratings der Fonds bewegen sich vorrangig im Mittelfeld der Vergleichsgruppen", sagt Barbara Claus, Leiterin der Fondsanalyse beim Ratinghaus Scope. "Hauptgrund hierfür liegt in der Strategie begründet, die zu einer Untergewichtung der Wachstumsaktien führte, die in den vergangenen Jahren outperformt hatten."

Dass es anders laufen kann, beweisen die zurückliegenden zwölf Monate. Während dieses Zeitraums entwickelte sich der Dimensional-Fonds für globale Aktien deutlich besser als der MSCI-World-Index.

Teures wird ständig teurer

Herausfordernd waren die vergangenen Jahre auch für den französischen Investmentspezialisten Tobam. Der Name steht für "Thinking out of the box Asset Management". Gegründet von dem Mathematiker Yves Choueifaty, verfolgt die Gesellschaft das Konzept von maximal diversifizierten Portfolios.

Obwohl ETFs meist auch viele Aktien enthalten, seien diese nicht gut diversifiziert, so Choueifaty. Denn ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index wie der S & P 500 verteile das Geld stupide auf jene Aktien, die bereits teuer seien. So zerstöre er einen großen Teil der Risikoprämien, die Anleger vereinnahmen könnten, wenn sie wirklich breit gestreut anlegten. Choueifaty konstruiert dagegen Portfolios, die keinerlei einseitige Ausrichtung aufweisen.

Wie bei Dimensional machen auch bei Tobam institutionelle Anleger die Hauptklientel aus. Das rational-wissenschaftliche Konzept ist wie geschaffen für diese Gruppe von Langfrist-Investoren. Ein langer Atem ist durchaus nötig. Denn das zurückliegende Jahrzehnt war auch dadurch geprägt, dass große Konzerne wie Apple stetig mehr und noch mehr Kapital anzogen. Dass diese Entwicklung nicht ewig so weitergeht, ist das Kalkül der Anlage-Akademiker und ihrer geduldigen Investoren.


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