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Die Briten sind raus aus der EU: Was das für Europa-Aktienfonds bedeutet

Ob mit den Briten oder ohne sie - Anleger haben eine große Auswahl an passenden Portfolios. Von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Für Boris Johnson war der Jahreswechsel ein Grund zu großer Freude. "Es ist ein wunderbarer Moment", jubelte der britische Premierminister, nachdem der Brexit zum 1. Januar Realität geworden war. Die ersehnte Trennung seines Landes von der Europäischen Union (EU) ist damit endgültig vollzogen.

Bereits vor knapp einem Jahr war Großbritannien offiziell aus der EU ausgetreten. Doch der Handel lief aufgrund eines Übergangsabkommens weiterhin ohne Einschränkungen. Dieses endete allerdings zum 31. Dezember, und ohne einen neuen Deal wären Zölle und hohe Handelshürden die Folge gewesen.

Dieses Horrorszenario wurde wenige Tage vor Ultimo abgewendet. Die EU und Großbritannien einigten sich auf ein Freihandelsabkommen. Das regelt nun wesentliche Teile der wirtschaftlichen Beziehungen, nachdem die Briten den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen haben. Zusätzlich haben beide Seiten weitreichende Regelungen vereinbart, um einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Das betrifft staatliche Beihilfen genauso wie Standards im Verbraucher-, Arbeitnehmer- oder Umweltschutz.

Fürs Erste sind die Finanzmärkte um eine Sorge ärmer. "Die Einigung in den Brexit-Verhandlungen ist für Anleger eindeutig eine gute Sache", sagt Quentin Fitzsimmons, Fondsmanager bei T. Rowe Price. Denn die Verunsicherung angesichts eines möglichen unkontrollierten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU ist verschwunden. "Der Teufel steckt jedoch im Detail", warnt er gleichwohl. Auf beide Seiten warten langwierige Verhandlungen zu Einzelfragen.

Auch wenn der Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt eine gewaltige Zäsur darstellt, sind dessen Auswirkungen für Anleger, die Europa-Aktienfonds halten, gering. Fondsmanager, die bislang in ganz Europa nach aussichtsreichen Titeln gesucht haben, können weiterhin in britische Aktien investieren. Börsenindizes, die britische Titel enthalten, haben ihre Zusammensetzung über den Jahreswechsel nicht verändert. Einzig bei Fonds, deren ISIN mit GB beginnt, ist der Kauf von Anteilen zurzeit erschwert.

Auch wenn es keine grundsätzlichen Änderungen für aktiv gemanagte paneuropäische Fonds gibt, bleibt es deren Managern natürlich unbenommen, ihre Portfolios anzupassen. So könnten sich die Aussichten einzelner Unternehmen angesichts wachsender Bürokratie im Handel zwischen Großbritannien und der EU eintrüben, sodass Manager deren Aktien nicht mehr halten wollen. Gravierend werden derartige Portfolioanpassungen aber nicht ausfallen.

Um passgenau in europäische Aktien zu investieren, stehen mehrere Fondskategorien zur Verfügung. Die größte Auswahl haben Anleger, die ein Produkt für ganz Europa suchen. Knapp 280 Portfolios sind hierzulande erhältlich. Fonds dieser Art enthalten nicht nur Länder der Eurozone, sondern auch Nationen wie Großbritannien und die Schweiz. Typischerweise spielen gerade diese beiden Länder eine wichtige Rolle in paneuropäischen Fonds. Die bedeutenden Aktienindizes Stoxx Europe 600 und MSCI Europe enthalten gut 20 Prozent britische Titel und rund 15 Prozent aus der Schweiz.

Kalte Schulter zeigen

Wer die Abkehr Großbritanniens von Europa auch in seinem Depot nachvollziehen will, kann auf spezielle Fonds zurückgreifen, die ganz Europa abdecken, aber Großbritannien ignorieren. Diese Kategorie enthält 26 Produkte, ist also relativ klein. Der Ausschluss des Königreichs - eigentlich größter Aktienmarkt Europas - führt dazu, dass das Gewicht aller übrigen Länder tendenziell steigt. Gerade Aktien aus kleineren Nationen wie Dänemark oder den Niederlanden treten in diesen Fonds regelmäßig etwas stärker hervor. Am Top-Trio Frankreich, Schweiz und Deutschland ziehen diese Staaten mit Blick auf die Gewichtung aber selten vorbei.

Fonds mit Fokus auf die Eurozone schränken sich regional noch stärker ein. Nur Aktien aus Ländern, die zur Währungsunion gehören, sind erlaubt. Für gewöhnlich ist die Dominanz französischer und deutscher Titel in diesen Portfolios hoch. Im bekannten Vergleichsindex Euro Stoxx 50 kommen Aktien aus Frankreich auf einen Anteil von 37 Prozent, Werte aus Deutschland auf 28 Prozent. In aktiv gemanagten Fonds kann diese Verteilung zwar anders aussehen, doch der Index zeigt, wohin die Reise ungefähr geht.

Wer breit gestreut in Europa anlegen will, sollte besser den gesamten Kontinent ins Visier nehmen. Eine Beschränkung auf die Eurozone hat allerdings den Vorteil, dass Währungsschwankungen vermieden werden. Nur Anleger, denen dieser Aspekt sehr wichtig ist, sollten einen der 111 verfügbaren Eurozone-Aktienfonds kaufen.