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200 Prozent Gewinn in einem Jahr: Kleiner Öko-Fonds hängt mit Solar- und Wasserstoffaktien alle Konkurrenten ab

Der green benefit Global Impact Fund hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr Gewinn erzielt als jeder andere Öko-Fonds. Fondsmanager Manfred Wiegel erklärt, warum er Tesla und BYD aus seinem Fonds geworfen hat und warum er die Mitarbeiter von Solar Edge nicht zwingen will, recyceltes Klopapier zu benutzen. Von Andreas Höß

Herr Wiegel, Sie leiten einen Öko-Fonds, der in globale Aktien investiert. In den letzten zwölf Monaten hat der rund 200 Prozent Gewinn gemacht. Welche Positionen hatten den größten Anteil daran.
Manfred Wiegel: Für den hohen Gewinn haben vor allem zwei Bereiche gesorgt, die auch am höchsten im Fonds gewichtet sind: Wasserstoff und Erneuerbare Energien. Wasserstoffaktien machen im Moment etwa 40 Prozent des Portfolios aus, Solarfirmen rund 30 Prozent. Beide Bereiche sind für eine saubere Zukunft ohne fossile Energieträgern wie Öl und Gas unerlässlich. Trotzdem wollte die Aktien der Unternehmen, die das ermöglichen, lange keiner haben. Die Finanzmärkte sind also längst nicht so rational und effizient, wie behauptet wird. Die Aktie von Solar Edge haben wir zum Beispiel vor vier oder fünf Jahren für 30 Dollar gekauft. Heute steht sie bei 300 Dollar.

 

Stimmt, Solar- und Wasserstoffaktien liefen seit Anfang 2020 extrem gut. Davor war mit diesen Papieren aber kein Blumentopf zu gewinnen.
Das ist richtig. Im Solarbereich drängten vor einigen Jahren viele subventionierte chinesische Firmen auf den Markt und sorgten vor allem bei den Modulherstellern für Überkapazitäten. Das hat die Gewinnmargen und damit auch die Aktienpreise bei Solarfirmen gedrückt, einige gingen sogar Pleite. Aber auch die Aktien von Zulieferern wie Solar Edge, die Weltmarktführer bei Wechselrichtern sind, wurden mit nach unten gezogen - obwohl die Firma finanziell immer gesund war. Nun sind die Überkapazitäten abgebaut, der Markt ist bereinigt. Die Firmen machen gute Gewinne und die Kurse ziehen auf breiter Front wieder an.


War die Flaute bei Erneuerbaren Energien auch der Grund, weshalb ihr Fonds zwischen 2015 und 2019 gar keine Gewinne machte?
Wir sind eine kleine Boutique, die mit großer Überzeugung und großer Ausdauer auf bestimmte Themen setzt, die wir für zukunftsträchtig halten. Da kann es sein, dass man mal eine längere Durststrecke durchstehen muss. Die Schwäche der Solarbranche war ein wesentlicher Punkt, weshalb unser Fonds zwischen 2015 und 2019 keine Gewinne machte, weil wir Solaraktien immer sehr hoch gewichtet hatten. Auch andere Themen wie Batteriehersteller und Elektromobilität, die in unserem Fonds eine wichtige Rolle spielen, hatten da Schwierigkeiten. Außerdem kam noch ein politisches Phänomen dazu: Als Donald Trump 2016 US-Präsident wurde und angekündigt hat, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen, verlor unser Fonds sofort 15 Prozent an Wert. Das war schon verrückt. Mit dem neuen US-Präsident Joe Biden, dem Umweltschutz wichtig ist und der wieder ins Klimaabkommen einsteigen will, erlebten Umweltaktien und auch unser Fonds nun den gegenteiligen Effekt, sie bekamen wieder richtig Rückenwind.

Seit 2020 läuft es also sehr gut für die Branche und auch für Ihren Fonds. Wie sieht die Zukunft aus? Dürfen Anleger noch so ein Jahr mit 200 Prozent Gewinn erwarten? Oder müssen sie wieder mit vier Jahren Minus rechnen?
Wir sind langfristige Investoren, Jahresprognosen geben wir aus Prinzip nicht ab. Aber aus meiner Sicht ist der Umbau zu mehr Umweltschutz und Erneuerbaren Energien ein Marathon, bei dem wir gerade einmal die ersten Kilometer hinter uns gebracht haben. Das ist bei Wasserstoff so, bei der Elektromobilität und sogar in der Solarbranche. Wir haben also keine Probleme, genug Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten zu finden. Ein Jahr mit so massiven Gewinnen wie 2020 wird aber die Ausnahme bleiben.

Sie hatten gerade den Wasserstoffbereich angesprochen, um den es 2020 einen regelrechten Hype gab. Viele Aktien haben sich vervielfacht. Mal ehrlich: Das kann doch nicht ewig so weitergehen.
Nach den massiven Kursanstiegen 2020 hatten wir schon im Januar vor einer Korrektur bei Wasserstoff- und Solaraktien gewarnt, die dann auch tatsächlich kam. Wir haben den Kursrückgang aber genutzt, um unsere Positionen auszubauen. Denn wir sind überzeugt, dass es hier noch viel zu holen gibt. Schon jetzt fließen Milliarden in Wasserstoffprojekte, laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey werden dort bis 2030 etwa 300 Milliarden Dollar investiert, allein die Bundesregierung will in den nächsten Jahren neun Milliarden Euro in den Ausbau der Wasserstoffproduktion pumpen.

Bisher ist aber noch gar nicht klar, an welche Firmen dieses Geld geht, oder?
Keiner weiß, wer einmal der Branchenriese im Wasserstoffbereich wird. Deshalb muss man breit aufgestellt sein. Wir setzen nicht auf einen Glückstreffer sondern investieren in verschiedene Technologien und Ansätze. Wir haben elf reine Wasserstoffaktien im Fonds, darunter den Brennstoffzellen-Produzenten Plug Power oder Nel Asa, die Weltmarktführer bei Elektrolyse und Wasserstofftankstellen sind. Wichtig ist uns aber, dass wir nur in sogenannte Pure Player investieren, also jene Firmen die ihr Geld ausschließlich mit Solar, Wasserstoff oder Elektromobilität verdienen. Konglomerate wie VW, Siemens oder Linde, die nur kleine Umsatzanteile in solchen Bereichen haben, kommen für uns nicht in Frage. Die Pure Player leisten den größten Beitrag bei der Umgestaltung hin zu einer grünen Wirtschaft, außerdem sind bei Ihnen die größten Gewinne drin.

Dafür sind sie auch am riskantesten. In Ihrem Fonds gehört Plug Power zu den größten Positionen. Die Firma ist an der Börse 18 Milliarden Dollar wert, obwohl der Umsatz vor einem Jahr noch bei mickrigen 230 Millionen Dollar lag. Ist diese Bewertung nicht völlig überteuert?
Plug Power ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Hype um Wasserstoff nicht übertrieben ist. Im Jahr 2000 hat die Aktie 1200 Dollar gekostet - das war eine völlige Luftnummer und der Kurs ist danach komplett kollabiert. Mittlerweile kostet sie wieder rund 50 Dollar. Trotz der kräftigen Kursanstiege im letzten Jahr ist sie meilenweit von ihrem Höchstkurs entfernt.

Dass die Aktie billiger als im Jahr 2000 ist, heißt aber noch lange nicht, dass das Unternehmen auch so viele Milliarden wert ist. Plug Power macht immerhin seit 20 über Jahren Verluste, oder?
Vor Unternehmen, die so lange Verlust machen, weil sie Geld in die Forschung und in die Entwicklung ihrer Produkte stecken, sollte man den Hut ziehen! Der große Unterschied zum Jahr 2000 ist, dass die Firmen im Wasserstoffbereich wie Plug Power oder Nel Asa jetzt auf massive Nachfrage treffen und ihre Kapazitäten gerade vervielfachen. Asiatische Autobauer wie Hyundai oder Toyota setzen voll auf das Thema Wasserstoff. In Europa hat Renault ein Joint Venture mit Plug Power gegründet und will damit langfristig 30 Prozent des Marktes für Wasserstoff-Leichtfahrzeuge bedienen, wie sie zum Beispiel Paketdienste benutzen könnten. Auch Amazon ist mit zehn Prozent bei Plug Power eingestiegen und baut im Moment fünf Gigafactories für die Produktion von grünem Wasserstoff auf. Plug Power hat fünf Milliarden Dollar auf dem Konto liegen, um diese ganzen Projekte zu realisieren. Deshalb denke ich schon, dass das Unternehmen so viel Geld wert ist, obwohl es noch keinen Gewinn macht.

Andere Ökofonds sind oft deutlich breiter aufgestellt und investieren auch in Bereiche wie sauberes Wasser, Bio-Nahrungsmittel, Energieeffizienz oder Digitalisierung. Ist Ihr starker Fokus auf Wasserstoff und Solar nicht ziemlich gefährlich?
Unser Fonds hat eine relativ hohe Volatilität, also Schwankungsanfälligkeit - das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das hängt damit zusammen, dass wir in Pure Player wie Plug Power investieren. Indem wir in viele solche Pure Player aus verschiedenen Bereichen investieren, balancieren wir die Risiken aber aus. Wir haben Momentan einen klaren Fokus auf Wasserstoff und Solar, weil es dort eben am meisten Bewegung gibt. Unsere Kunden wissen das und wollen das auch. Aber: Wir sind nicht auf diese Themen festgelegt. Wir reinvestieren auch immer wieder Gewinne in andere nachhaltige Bereiche, zum Beispiel Bio-Lebensmittel. Hier haben wir die Aktie von United Natural Health im Fonds. Wer weiß, vielleicht machen Wasserstoff-Aktien in zehn Jahren nur noch einen kleinen Teil in unserem Fonds aus und Bio-Lebensmittel einen sehr großen. Man sollte neuen Trends gegenüber immer offen bleiben.

Einen Trend haben Sie aber an sich vorbeiziehen lassen: Im letzten Jahr hat die Aktie von Tesla rund 500 Prozent Gewinn gemacht. Sie waren nicht investiert, obwohl Tesla der E-Auto-Pionier schlechthin ist. Bereuen Sie das?
Nein, das bereuen wir nicht. Denn wir haben bestimmte Ausschlusskriterien, um Unternehmen auszusortieren, die wir nicht als nachhaltig genug erachten. Dazu gehört die sogenannte Governance, also die gute Unternehmensführung. Tesla-Chef Elon Musk hat wegen seiner Twitterei dauernd Probleme mit der US-Börsenaufsicht SEC und das ist nur eines der Governance-Probleme, das Tesla unserer Meinung nach hat. In ein Unternehmen mit so einer Führung wollen wir nicht investieren.

Das heißt, Sie haben Tesla aus Nachhaltigkeitsgründen nicht im Fonds?
Genau, auch wenn das mit Blick auf die Gewinne der Aktie etwas weh getan hat. Aber wir wollen nicht Rendite um jeden Preis. Wir haben im Dezember auch den E-Autobauer und Batterieproduzenten BYD aus dem Fonds geworfen, in den wir seit 2015 investiert waren. Das lag nicht daran, dass wir nicht mehr an die Aktie geglaubt haben. Der Grund war schlicht, dass BYDs neues Elektroauto fast genauso aussieht wie der VW ID3. Wegen dieser möglichen Plagiatsaffäre passt BYD nicht mehr zu unserem Fonds. Ich denke aber, dass wir auch ohne Tesla und BYD eine ganz ordentliche Wertentwicklung hinbekommen haben.

Unterscheidet Sie diese konsequente Auslese von anderen Nachhaltigkeitsfonds? Die suchen sich teilweise ja nur die "saubersten" Unternehmen in jeder Branche aus oder schließen lediglich Waffenhersteller und Ölkonzerne aus.
Bei den nachhaltigen Produkten gibt es kein richtig oder falsch, jeder dieser Ansätze hat seine Berechtigung. Wir würden aber niemals in einen Ölkonzern investieren, nur weil er sauberer als der Rest der Branche ist. Wir sind aktive Fondsmanager und kuscheln uns auch nicht an einen Index an und sortieren da nur die dreckigsten Firmen aus. Als kleine Boutique legen wir einen starken Fokus auf Umwelt- und Klimaschutz. Hier suchen wir die technologischen Vorreiter. Die müssen aber gleichzeitig auch Sozial- und Governancekriterien einhalten. Tun sie das nicht, fliegen sie wie BYD wieder aus dem Fonds oder werden wie Tesla gar nicht erst aufgenommen.

Sie bezeichnen Ihren Fonds als "Impact-Fonds". "Impact" ist eines der großen Modewörter der Finanzbranche. Was ist für Sie ein Impact-Fonds?
Impact bedeutet für uns, dass unsere Investitionen eine möglichst positive Wirkung auf die Umwelt und den Klimaschutz haben müssen. Jedes Investment muss mindestens drei der 17 Nachhaltigkeits-Ziele der Vereinten Nationen erfüllen, ohne dabei ein anderes zu verletzen. Genau das erreichen wir durch den Fokus auf die Pure Player. Gleichzeitig soll das aber auch einen wirtschaftlichen Nutzen bringen - für das Unternehmen und für den Anleger.

Haben Sie ein Beispiel?
Zum Beispiel Dynacert. Das kanadische Unternehmen bietet ein Reinungssystem für Dieselmotoren in Bussen und LKW auf Wasserstoffbasis an. Das minimiert den Ausstoß von Stickoxiden, Feinstaub, CO2 und anderen Schadstoffen und senkt den Kraftstoffverbrauch. Das ist gut für die Umwelt und steht im Einklang mit den UN-Zielen 9, 11 und 13, die für saubere Industrie, saubere Städte und den Schutz des Lebens auf der Erde stehen. Weil sich das System durch den niedrigeren Kraftstoffverbrauch nach nur wenigen Monaten amortisiert, ist es zudem wirtschaftlich. Und für Anleger lohnt sich die Investition in diese Brückentechnik, weil das Marktpotenzial groß ist. So entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Viele Öko-Fonds üben ihre Stimmrechte als Aktionäre aus und setzen auf Engagement, also den Kontakt mit Unternehmen, die sie mit sanftem Druck zu einem besseren Geschäftsgebahren bewegen wollen. Sie tun beides nicht. Warum?
Weil wir durch die Investition in die Vorreiter von Umwelttechnik ohnehin schon in sehr saubere Unternehmen investieren. Außerdem ist es nicht unsere oberste Priorität, Solar Edge, Nel Asa oder andere Unternehmen im Umweltbereich zugespitzt gesagt dazu zu zwingen, ihren Mitarbeitern recyceltes Klopapier bereitzustellen. Aber Spaß beiseite: In Sachen Engagement wollen wir uns verbessern und sind seit kurzem Unterzeichner der Principles for Responsible Investment sowie der Principles for Sustainable Insurance. Als kleine Boutique, die keine Milliardensummen anlegt, können wir nur über solche Zusammenschlüsse mit vielen anderen Anlegern unserer Stimme mehr Gewicht verleihen.


Über den Green Benefit und den Green Benefit Global Impact Fonds:

Green Benefit ist eine kleine Fondsboutique aus Fürth in Bayern, die ausschließlich auf das Thema Nachhaltigkeit setzt. Im Green Benefit Global Impact Fonds (ISIN: LU01136260384) sind momentan 205 Millionen Euro investiert. Er trägt das beste €uro-Eco-Rating "A". In den vergangenen zwölf Monaten machte er rund 200 Prozent Gewinn, auf fünf Jahre gerechnet waren es 290 Prozent. Die größten Werte im Portfolio sind aktuell die Solarfirmen Jinkosolar aus China, Meyer Burger aus der Schweiz und Sunpower aus den USA sowie die amerikanischen Wasserstoffproduzenten Fuelcell Energy und Plug Power. Knapp 40 Prozent des Fondsvermögens sind im Moment in Firmen aus der Wasserstoffbranche investiert und 30 Prozent in Unternehmen aus der Solarbranche. Der Rest verteilt sich auf Werte aus den Bereichen Elektromobilität, Energieeffizienz, Trinkwasseraufbereitung und Bio-Lebensmittel. Der Fonds setzt voll auf sogenannte "Pure Player", also Vorreiter einer grünen Wirtschaft, die ihren kompletten Umsatz mit nachhaltigen Technologien machen. "So kommen wir auch gar nicht in die Verlegenheit, prüfen zu müssen, ob große Konglomerate wie Nestlé oder Siemens aus nachhaltiger Sicht wirklich für unseren Fonds akzeptabel sind", erklärt Fondsmanager und Green-Benefit-Gründer Manfred Wiegel.